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Dr. Harald Kegler
Stadtumbau
Eine Frage der Zeit:
"Charrette" - neue Möglichkeiten effektiver Beteiligung am Stadtumbau
 

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Neue Beteiligung

Wer kennt sie nicht die leidigen Auseinandersetzungen mit den sogenannten "Betroffenen". Streit um Einzelinteressen, Zerreden von guten Absichten, "Gespräche" über die Presse, Lagerkämpfe in öffentlichen Gremien und viele andere Formen einer Auseinandersetzung zwischen Institutionen, Verwaltungen, Unternehmen und Bewohnern kennt die Kommunikations (un) kultur. Es scheint so etwas wie eine "Beteiligungsernüchterung" eingezogen zu sein.

Seit den Auseinandersetzungen um die Kahlschlagsanierung war ein Arsenal der gesetzlich geregelten Beteiligungsformen entstanden, das sich international sehen lassen kann. Und dennoch: Beteiligung wurde Teil eines Verwaltungsprozesses, in bester Absicht, doch uneffizient, formal, ja z. T. mit dem Makel des Scheinbaren behaftet. Auf der anderen Seite etablierten sich "Berufsbürger", die meist nur ihren eigenen Interessen verpflichtet sind. Vor allem aber wurde durch eine Beteiligungsbürokratie viel Zeit beansprucht und wenig wirkliche Einbeziehung realisiert.

Nach den konfliktreichen Aufbruchjahren der Stadterneuerungsbewegung ist alles in geordnete Bahnen gelenkt worden. Die Beteiligungsformalisierung hat zur Beteiligungsabstinenz geführt. Nur in besonderen Betroffenheitssituationen, wenn etwas "vor der eigenen Haustür" schwelt, erwacht der Unmut. Selten verbindet sich dieser mit strategischen Ambitionen. Genau darin liegt das entscheidende Defizit bei dem nun verstärkt greifenden zweiten Stadtumbau: es werden die "geglätteten" Instrumente der Beteiligung aus der Vergangenheit weitergeführt. Und wenn sie versagen, wird nur noch das gesetzlich Notwendige vollzogen. Es schwingt aber auch Enttäuschung mit, auf Seiten der öffentlichen Verwaltung, der Wohnungsunternehmen und der der Betroffenen. So ist eine Rückkehr zu den hierarchischen Verfahrensweisen der 50er und 60er Jahre geradezu vorgezeichnet. Die entscheidende Frage besteht darin, wie erneuerte Beteiligungsmöglichkeiten geschaffen werden, die dem neuen Stadtumbau gerecht werden können.

Ein Blick auf Länder, die vor Deutschland mit dem zweiten Stadtumbau konfrontiert waren, ist hilfreich: die USA. Gerade der hier mit einem ausgeprägt liberalen und an den Individualinteressen orientierten Verständnis von öffentlicher Einflussnahme und Engagement des Einzelnen lässt Einblicke in neue Formen der Beteiligung erwarten.
 

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