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Der Wunsch, eine Harmonisierung, eine Auflösung von Gegensätzen in sozialen,
wirtschaftlichen und ästhetischen Bereichen mittels Gestaltung zu erreichen,
brachte vielfältige Ideen und praktische Versuche hervor - doch es blieb
beim Wunsch. Das Jahrhundertansinnen einer harmonisch gestalteten schönen
Lebensumwelt, befreit von schroffen Antagonismen und Widersprüchen, muss
als vergeblich und irreführend angesehen werden. Widersprüche lassen
sich nicht kaschieren oder mittels technischer Mittel versöhnlich gestalten.
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Das Versprechen der Industrie, eine humane Utopie erlebbar werden zu
lassen und zugleich eine Strategie des Gartens als Kultivierungsaufgabe
neu in Angriff zu nehmen, konnte jetzt - am Wendepunkt der Industrialisierung -
auf die Tagesordnung treten. Ohne Industrie und die durch sie geprägte
städtische Umwelt ist die Umsetzung dieses Versprechens jedoch kaum denkbar -
weshalb die eigentliche Kultivierungsaufgabe noch bevorsteht. Industrielles
Gartenreich ist ein Schritt auf dem Weg einer solchen Strategie.
In den Industrieländern ist das Gröbste aufgeräumt, das ein Jahrhundert
hinterließ. Doch die Folgen der Industrialisierung werden eine Halbwertzeit
von Generationen haben. Hier ist nichts zu beschönigen, aber auch nichts
einer fatalistischen Ohnmacht zu übereignen.
Eine Krise war auch Geburtsstunde des historischen Gartenreichs. Als Reaktion
entstand ein miniaturisierter Spiegel europäischer Kulturgeschichte und neuester
Errungenschaften auf wirtschaftlichem, sozialem und künstlerischem Gebiet.
Die "verschönerte Natur", d.h. das "ganze Land als Garten" zu gestalten,
entsprach dem Ziel, eine menschenwürdige Umwelt zu schaffen. Das Mittel
dazu war die Gestaltung einer Bildungslandschaft, gewachsen aus dem
Milieu des kulturellen Austauscha, der Fantasie und des Respekts vor
Natur und Geschichte.
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Der Intension, einem "neuen Menschen" den Weg zu ebnen in ein Zeitalter
der industriellen Kultur, war das historische Bauhaus verpflichtet. Mit
dem Übergang in das Zeitalter der Nachhaltigkeit entsteht nun eine neue
Herausforderung für die Gestaltung einer Bildungslandschaft.
Diese Zukunftsaufgabe umfaßt auch ein Nichtvergessen widersprüchlicher
Geschichte. Angesichts globaler Machtkonstellationen und sozialer und
ökologischer Lasten sind Handlungen in neuen Allianzen, Kooperationsformen,
Interventionsaktionen und Netzwerken möglich. Dies hat ein Lernmilieu zur
Voraussetzung, getragen und angeregt von Impulsgebern, die kritische
Reflexion und Gestaltung zu verbinden vermögen.
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Das Industrielle Gartenreich ist ein priviligierter Projektraum:
reich an gebauten Visionen, ausgestattet mit einer hohen programmatischen
Dichte, zugleich Sinnbild für Irrtum und Rücksichtslosigkeit. Das neue
Bauhaus vermochte dies zu verarbeiten und in Projekte für eine
Kultivierungsstrategie zwischen "Industrie und Garten" zu überführen.
Jede Region bedarf eines solchen Instituts - zwischen gesellschaftlichen
Interessen agierend, international verbunden, beweglich und statisch sowie
fantasievoll für die angemessene Kultivierung der Umwelt eintretend.
Diese Institutionen gehören zu den Knotenpunkten einer internationalen
Bewegung, die sich zu formieren beginnt. Sie kennt ihre Referenzprojekte,
ob in den Internationalen Bauausstellungen, den "Regionen der Zukunft"
Europas oder vielfältiger Iniativen ähnlicher Art in der Welt.
So treten Protagonisten hervor, neue Netzwerke entstehen in direktem
Spannungsverhältnis zu den etablierten, oft in den Strukturen des
verebbenden, alten Industriezeitalters verflochtenen Institutionen.
Industrielles Gartenreich ist aufgrund der Traditionen als europäische
Kulturregion, als Raum zukunftsweisender Experimente und als neue
Bildungslandschaft prädestiniert, neuartige Inhalte und Institutionen
anzuregen.
Es gehört zur Kultur, dieses Privileg in einen internationalen Austausch
einzubringen und als Gegengewicht zu einer einseitigen Globalisierung
zu etablieren.
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