 |

|
 |
 |
 |
 |
 |
Am 30. Juni 1990 wurde das Projekt anlässlich eines Aktionstages am Bauhaus
der Öffentlichkeit vorgestellt. Eine Definition des Industriellen Gartenreichs,
Diplomarbeiten zu Projekten auf Industriebrachen sowie ein szenisch-musikalischer
Spaziergang zwischen Bauhaus und Georgengarten verliehen der Vorstellung des
Projektes den wissenschaftlichen und kulturellen Rahmen. Im Herbst 1990 erhielt
die experimentelle Werkstatt am Bauhaus Dessau den Beinamen Industrielles Gartenreich.
Der regional agierende Verein gleichen Namens führte verschiedene Akteure zusammen,
um eine behutsame Erneuerung der Region zu befördern. Im Herbst 1990 sendete das
ostdeutsche Fernsehen einen ersten Filmbeitrag über das Projekt Industrielles Gartenreich.
Die öffentliche Debatte begann.
|
 |
 |
Ab 1991 wurde das Industrielle Gartenreich konkreter: Erneuerungsprojekte
für die Industriesiedlungen in Piesteritz bei Wittenberg und in Zschornewitz,
Gestaltungsvorschläge für die Bergbaufolgelandschaft, Ideen für die Umnutzung
der Kraftwerksanlagen in Vockerode, Stadterneuerungsprojekte in Wittenberg,
Dessau und Bitterfeld und Projekte zu Teilbereichen des Gartenreichs machten
die experimentelle wie umsetzungsorientierte Absicht deutlich. So wurde das
räumliche Gefüge zwischen Dessau, Wörlitz, Bitterfeld und Wittenberg als
Industrielles Gartenreich definiert. Die Überlagerung der Kulturlandschaften
des historischen Gartenreichs und der Industrie wurde zur strategischen Konstruktion.
Beide Aspekte verschmolz der 1993/94 produzierte Dokumentarfilm
"das industrielle gartenreich" der Autoren Bolbrinker, Herold und Stutterheim.
Dem folgten weitere Filme für die Fernsehsender ARD/MDR und arte.
Der Begriff Industrielles Gartenreich wurde in der Folgezeit auf mehreren
Ebenen verankert bzw. reflektiert:
|
 |
 |
- urheberrechtlich, durch eine Markenschutzeintragung beim Patentamt
- symbolisch, durch ein 'erzählendes' Logo mit den wesentlichen Elementen
der vorhandenen und der zukünftigen Landschaft: den zwei Flüssen Elbe
und Mulde, den vier Schornsteinen des Kraftwerks Vockerode - zugleich
den vier Säulen des Schlossportikus von Wörlitz, der Baggerstadt Ferropolis
- manifest, durch das Grundlagenbuch Industrielles Gartenreich, herausgegeben
von der Stiftung Bauhaus Dessau, ex pose verlag, Berlin 1996
- institutionell, durch die Anerkennung als Arbeitsgebiet des 1994 in eine
Stiftung übergeleiteten Bauhaus Dessau
- praktisch und politisch, durch die Anerkennung der Region
Dessau-Bitterfeld-Wittenberg als Korrespondenzregion der EXPO 2000
- praktisch, durch die umsetzungsorientierte Weiterführung von Projektideen
und Ansätzen der Bauhausarbeit in der Region
- überregional, durch die erfolgreiche Teilnahme am bundesweiten Wettbewerb
"Regionen der Zukunft" des Bundesbauministeriums unter der Überschrift
Industrielles Gartenreich auf der Grundlage einer regionalen Vereinbarung
- international, durch Gäste aus verschiedenen Ländern (England, Italien,
Spanien, Südkorea, USA), die zu Problemen der Regionalerneuerung unter
sozial-kulturellen Maßgaben arbeiten
- international, durch die Aufnahme in das Programm der UNESCO-Weltdekade
für kulturelle Entwicklung und durch die Verleihung des Europäischen Preises
für Stadt- und Regionalplanung für ein Teilprojekt des Industriellen Gartenreichs.
|
 |
 |
Mit der Diskussion um eine Umwelt-EXPO in der Region ab 1991 rückte die
Frage nach "postindustriellen Perspektiven" des Industriellen Gartenreichs
immer stärker in den Vordergrund. Schließlich wurde in einem Vortrag von
Gernot Böhme am Bauhaus Dessau (siehe Beitrag in diesem Buch) die
Auseinandersetzung über die Grundsatzfragen der Gestaltung menschlicher
Lebensumwelt anhand des Industriellen Gartenreichs aufgeworfen. Die
weiterführende Debatte ist seitdem eröffnet - und zugleich können reale
Bausteine, die das Konzept Industrielles Gartenreich lesbar machen,
zwischen Dessau, Bitterfeld und Wittenberg erfahren werden.
|

|
Besuchen Sie auch unser
FORUM
|
|

|
 |