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|Ferropolis-Studie|Vorbemerkung|  |1. Die strategische Bedeutung...|  |2. Grundlagen für die Entwicklung...|
|3. Die Stufen der Entwicklung...|   |4. Die Frage der Übertragbarkeit...|  |5. Der Ausblick: Vision, Wertung|  |Anhang|

 
Ferropolis – Studie:

5. Der Ausblick: Vision, Wertung

Im Auftrage der LMBV  -  Dr. Harald Kegler

Vision:

Es ist das erklärte Ziel des Bürgermeisters von Gräfenhainichen, Herrn Rußbült, dem Hauptakteur im Kreise der Gesellschafter, dass Ferropolis schrittweise in eine wesentlich privat getragene Gesellschaft überführt wird, dass sich Ferropolis selbsttragend entwickelt. Es muss mehr sein als ein Museum und ein zeitweiliger Veranstaltungsort, vielmehr solle Ferropolis auch ein Gebiet für die Ansiedlung innovativen Gewerbes, für Bildung und Experiment sein. Es soll eine anwendungsbezogene Ausstellung für neue Technologien der Energieerzeugung, für neues Wohnen, für Sport und für Kunst werden. Wie eine „richtige“ Stadt gehört zu Ferropolis Urbanität, d. h. die Begegnung von Menschen unterschiedlicher Neigung, Zugehörigkeit und Interessenlage – dies hatte der maßgebliche Entwickler des Projektes bei der LMBV, Herr Streiber, bereits 1997 anlässlich des Richtfestes gefordert.
 
Ausblick - 2003 bis 2005: der Zeitraum, soweit er übersehbar ist, wird im wesentlichen die Vervollkommnung der technischen Infrastruktur, der Herstellung organisatorischer Grundlagen und die Vorbereitung der Wirtschaftsbasis bedeuten. Mit dem 10. Jahrestag 2005 der Stadtgründung wird dann die eigentliche Konstituierung von Ferropolis als inszenierter Stadt, als Kultort, als Erlebnisdestination, als Wirtschafts- und neuer Identitätsfaktor der Region eingeleitet. Außerdem wird Ferropolis als „Mekka“ für Industriekultur, für Nachhaltigkeit, für besondere Architektur, für die Gestaltung von Industrie- und Bergbaufolgelandschaften dienen. Ferropolis setzt Maßstäbe, dient als Maßstab und wird ein dauerhafter und zugleich streitbarer Ort bleiben. Er wird keine Investruine werden – dafür sorgen die inzwischen mehr als „1000 friends“ weltweit! Und Ferropolis wird sich ein Stück Selbstironie bewahren auf die Zumutungen des Industriezeitalters, denen sich der Mensch im besten Glauben an die Zukunft, an Wohlstand und Fortschritt ausgesetzt hatte. Ferropolis wird als „Herzstück“ des zukünftigen Regionalparks Mitteldeutschland – zwischen Leipzig und Berlin – fungieren. Hier könnte ein neuartiges Städtebau-Institut etabliert werden, dass die Erfahrungen von Ferropolis und ähnlichen Projekten weltweit aufbereitet und vermittelt. Der Regionalpark würde zum Laboratorium für die Entwicklung einer „nachfordistischen“ Landschaft werden.

Die Stadt Gräfenhainichen hatte im Jahr 2002 beim Bundeswettbewerb Stadtumbau-Ost einen ersten Preis gewonnen. Das Thema des Stadtumbaus, mit dem sich die Stadt beworben hatte, lautete: Stadt mit neuer Energie. Dieses Thema war natürlich so angelegt, dass es auch für Ferropolis und die umgebende Region gültig sein sollte. Ferropolis bietet sich geradezu an, ein Experimentierfeld mit realer Anschauung für dieses Zukunftsthema zu werden. Gerade hier wird der Übergang von der „alten“ zur „neuen“ Energie sinnfällig wie an keinem anderem Ort. Die Stadt Gräfenhainichen ist inzwischen in den Kreis der Städte aufgenommen worden, die im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) Stadtumbau in Sachsen-Anhalt Modellprojekte realisieren können. Dies könnte auch Motivation für den Aufbau einer Struktur in Ferropolis sein, die mit der für den Stadtumbau in Gräfenhainichen und der Region für die vollständige Umstellung auf eigenen Energieversorgung korrespondiert. Dies wäre der „Schlussstein“ für die Entwicklung von Ferropolis: Zentrum einer energieautarken Region. Doch noch wird dies alles im „Konjunktiv“ zu formulieren sein – in der Etablierungsphase wird aus der Möglichkeitsform eine Gewissheit werden müssen.

Ferropolis bietet viele Potenziale und Entwicklungsmöglichkeiten, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, nur müssen sie konsequent umsetzbar gestaltet werden.


Wertung:


Lazlo Moholy – Nagy, der Bauhaus-Meister, schrieb 1926:

”spuren des menschen – in der zerstörungen keimten schon die elemente des neuen.”

Diesen Ausspruch ziert die Sitzbank in Ferropolis, die anlässlich der Amtsausführung von Prof. Kuhn und der Amtseinführung von Prof. Hämer als Bauhausdirektoren im März 1997 aufgestellt worden war.

 
Der konstruktivistische Künstler und Bauhausmeister postulierte einen Gestaltungsgrundsatz, der aus der Dekonstruktion des Vorhandenen eine neue Welt entstehen lassen sollte: Formzertrümmerung als Kulturhandlung gegen die überkommenen Grundsätze. Im übertragenen Sinne auf den Gestaltwerdungsprozess von Ferropolis bezogen, erscheint eine Analogie zu Moholy - Nagy in einem ökologischen Gesamtzusammenhang möglich – jedoch jenseits einer Fortschrittsverheißung, die stets das Zertrümmerte ablegt, um Neues hinzuzufügen. Das Gegenteil erscheint angesichts der unbewältigten Hinterlassenschaften notwendig. Die neue Kulturhandlung liegt in der Aufnahme des Zertrümmerten und dessen fantasievoller Wiedereingliederung in den sozialen Gestaltungsprozess der Umwelt. "Sich auf die Zukunft zu orientieren heißt demnach, für das Gewesene Sorge zu tragen." (B. Brock, 1999) Doch kann es nicht nur bei der Sorge um das Vergangene bleiben: „Ferropolis: ein offenes Experiment für die EXPO 2000, ein Projekt für mutige Animateure, die wissen, dass Zukunft nicht in einem Technikmuseum beheimatet ist.“ (G. Uhlmann, 1998)

>> Anhang

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