Industrielles Gartenreich
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|Ferropolis-Studie|Vorbemerkung|  |1. Die strategische Bedeutung...|  |2. Grundlagen für die Entwicklung...|
|3. Die Stufen der Entwicklung...|   |4. Die Frage der Übertragbarkeit...|  |5. Der Ausblick: Vision, Wertung|  |Anhang|

 
Ferropolis – Studie:

4. Die Frage der Übertragbarkeit eines solchen Projektes

Im Auftrage der LMBV  -  Dr. Harald Kegler

Der 30. Juni 1994:



Weichenstellungen erfolgen immer als Resultat eines Prozesses und unter bestimmten Umständen. An diesem Tage wurde die Zukunft von Ferropolis entschieden. Zufall? Natürlich hing die konkrete Entscheidung vom Zusammentreffen von Menschen in Entscheidungspositionen ab, die zufällig in dieser Zeit in diesen Positionen waren. Doch das Entscheidende war, dass dieses Zusammentreffen letztlich kein Zufall war, sondern Teil eines langfristigen Projektdesigns und des Schaffens einer Konstellation wie persönlichen Atmosphäre, in welcher eine solche strategische Entscheidung möglich geworden war.

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Was waren die möglicherweise übertragbaren Bedingungen für den Erfolg eines solchen ungewöhnlichen Projektes?

1996 ein stabiler Impulsgeber, der „außerhalb“ stand und doch ausreichend involviert war: hier das Bauhaus Dessau mit seiner experimentellen Planungs-Werkstatt,

1997 der „lange Atem“ aller Beteiligten, d. h. das Vorhandensein einer Idee, einer langfristig angelegten Vision, die genügend Kraft und bildhaften Ausdruck besitzt, der die konkreten Akteure schrittweise zur Beteiligung animiert und „bei der Stange“ hält; mit dem „Industriellen Gartenreich“ lag eine solche Idee vor,

1998 Institutionen, die über Organisationskraft und finanzielle sowie technische Kapazitäten verfügen, um ein solches Projekt auf den Weg zu bringen; mit der LMBV war eine solche Institution vorhanden, deren Führung konsequent den Umsetzungs-Prozess steuerte,

1999 Einzelkämpfer, die immer aufs Neue dem Projekt Leben einhauchten, neue Ideen für einzelne Abschnitte entwickelten, auch hin und wieder störten, dem Ganzen die inhaltliche Dynamik verliehen; ob dies der Diplomand war, der die ersten Zeichnungen von Ferropolis angefertigt hatte, ob das Künstler waren (vom Maler bis zum Fotografen, vom Musiker bis Schauspieler), ob das der Spaziergangsforscher war – sie waren die notwendigen Pioniere, ehe die etablierten Künstler und Designer kamen und die großen Planungen vorlegten; ohne die Pioniere wäre Ferropolis – wenn überhaupt – kaum das geworden, was den Reiz für die Hundertausenden Besucher ausmacht; es bedarf eines Klimas und eines institutionellen „Hinterlandes“ für die Experimentatoren (mit dem Bauhaus war dies am Anfang gegeben, später kam die EXPO-Entwicklungsgesellschaft dazu),

2000 Externe Befürworter und Unterstützer des Projektes bzw. ein Netzwerk an Partnern, die das Vorhaben beförderten, ob als Politiker, als Projektentwickler, als bekannte Persönlichkeit ... ein solches Netzwerk wurde über das Bauhaus geknüpft und mit Karl Ganser war eine Schlüsselperson in diesem gefunden worden, der entscheidend dazu beitrug, dass jener 30. Juni stattfinden und erfolgreich enden konnte.

Es gehören aber auch in entscheidendem Maße lokale Akteure dazu, die – oft gegen den Widerstand der eigenen „Nachbarn“ – zu einem visionären Projekt stehen, ohne dass ein Erfolg sich sofort einstellt; sie zu finden und zu motivieren ist ein wesentlicher Teil der Gestaltung eines nachhaltigen Charakters des Projektes.


Die wesentlichen Erkenntnisse besteht im Folgenden:

2001 Das Finden geeigneter Personen und Institutionsformen für die weitere Entwicklung – nachdem das Projekt erstellt wurde – gehört zu den größten Herausforderungen; hier hat Ferropolis Leergeld bezahlt (Personalentscheidungen, die aus fiskalischen und weniger aus inhaltlichen Gründen getroffen wurden; Institutionalisierungen, die aus förderrechtlichen und nicht aus entwicklungspolitischen Gründen geschaffen wurden, Diskontinuität in der Leitung und in der Bindung von externen Beratern; lange Zeit fehlende Strategie für die Weiterentwicklung des Projektes nach der ersten Phase der technischen Fertigstellung); so kam es nach dem Ende der EXPO 2000 zu einem regelrechten Bruch in der Entwicklung.

2002 Die Entwicklung eines sich immer wieder erneuernden Netzwerkes von Akteuren und Institutionen fungiert als Garant für die Projektkontinuität, auch (und gerade) in Krisenzeiten; von dem ursprünglichen Netz an Partner (von 1995) sind nur ganz wenige am Projekt beteiligt, gegenwärtig arbeitet wieder ein stärker werdendes Netz – doch zwischenzeitlich sah es so aus, als ob dieses Netz verloren gegangen wäre.
 
2003 Der zögerliche Aufbau einer schlagkräftigen und zugleich lokal wie international verankerten Institution (Ferropolis GmbH), die die LMBV (und z. T. EXPO Gesellschaft) als Träger hätte ablösen können, erweist sich größtes Defizit, dass seit zwei Jahren schrittweise kompensiert wird, außerdem fehlte nach der EXPO und dem Abschluss des Projektes Industrielles Gartenreich eine neue treibende Idee für die weitere Entwicklung der Region. Dies ist erkannt worden durch die lokalen Akteure. Daran wird seit kurzem gearbeitet – ob dies die IBA Stadtumbau sein kann, wird sich zeigen. Diese ersetzt aber nicht eine Weiterentwicklung der Vision für die Region: hier wäre an den „Regionalpark Mitteldeutschland“ (siehe REK Dübener Heide, 2001) anzuknüpfen.
 
Fazit:

Der Bau von Ferropolis war (ist) nicht selbstverständlich. Erst das Zusammentreffen von persönlichem Engagement, von politischem Willen auf allen Ebenen – den es über einen langen Zeitraum herzustellen bedurfte, das Klären eines praktikablen Finanzrahmens (insbesondere durch die LMBV), der Aufbau eines funktionierenden Netzwerkes von Institutionen (Bauhaus Dessau, LMBV, EXPO GmbH, Regierungspräsidium Dessau, Stadt Gräfenhainichen, Land Sachsen-Anhalt, Vereine, Hochschulen, wissenschaftliche Institutionen, Planungsbüros) sowie das Vorhandensein einer grundlegenden Idee – einer Gestaltungsvision (Industrielles Gartenreich) und eines motivierenden Zieles (EXPO 2000) sowie eines faszinierenden Begriffes (FERROPOLIS) bildeten den Rahmen für die Entwicklung des Projektes und bedingten so den Erfolg des Vorhabens. Die tragende Rolle bei der Umsetzung lag bei der LMBV – das war ein entscheidender Vorteil.

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